Schadenmanagement

Unter Schadenmanagement versteht man sämtliche Tätigkeiten für den Versicherungsnehmer, die aus versicherungsvertraglicher Sicht nach Eintritt eines Schadens anfallen.

Dies umfasst die Erfüllung von vertraglichen Obliegenheiten, wie z. B. die Schadenminderungspflicht, die Auskunftspflicht, genauso wie die Koordination und Führung der Verhandlungen mit den Versicherungsunternehmen. Bei Großschäden sind meistens mehrere Versicherer an den Schadenverhandlungen beteiligt. Oftmals gilt dies auch spartenübergreifend, falls es sich z. B. neben einem Sachschaden auch gleichzeitig um einen Haftpflicht- oder Maschinenversicherungsschaden handelt.

Zu beobachten ist ferner, dass Versicherer bei Großschäden nahezu sofort Sachverständige beauftragen, die oftmals nicht nur die Höhe des Schadens ermitteln sollen, sondern die auch mit der Frage möglicher Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften befasst sind. Dies geschieht bisweilen nicht nur im Sachverständigenverfahren (bei dem jede Partei einen Sachverständigen benennt und diese einen zusätzlichen Obmann für Streitfragen benennen), sondern auch in sog. „Beiratsverfahren“, bei dem der Sachverständige sowohl für Versicherer als auch Versicherungsnehmer tätig ist. Versicherer akzeptieren fast ausschließlich Sachverständige aus dem Kreise des „Bundes Technischer Experten“ (BTE), die nach eigenem Bekunden den wesentlichen Anteil der in Deutschland eintretenden Versicherungsschäden bearbeiten. Diese Sachverständigen erhalten einen Großteil ihrer Aufträge aus dem Kreis der Versicherer und es hat sich insofern eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen den Schadenregulierern der Versicherer und diesen Sachverständigen entwickelt.

Aufgabe des Beraters und Schadenmanagers ist es daher, bei der Auswahl der eigenen Sachverständigen darauf zu achten, dass mögliche Interessenkollisionen bei den Sachverständigen so gering wie möglich gehalten werden. Gleiches gilt im Übrigen dann, wenn (was auch zunehmend häufig erforderlich wird) im Versicherungsrecht versierte Anwälte zu Rate gezogen werden müssen. Auch dort gibt es Anwaltskanzleien, die überwiegend für die Versicherungswirtschaft arbeiten und andere Kanzleien, die im Wesentlichen die Gegenseite, also die Versicherungsnehmer, vertreten.

Öffentliche Unternehmen, aber auch der durchschnittliche öffentliche Auftraggeber (z. B. Gebietskörperschaften) verfügen in der Regel weder über die Ressourcen noch über die Spezialkenntnisse, komplexe Schäden völlig eigenständig abzuwickeln. Hier gilt es, den Wissensvorsprung, den professionelle Schadenregulierer von Versicherungsgesellschaften haben, auszugleichen.

Auch wird heute fast standardmäßig (sofern dies möglich ist) die Versicherungssumme überprüft, um evtl. den Einwand der Unterversicherung geltend machen zu können. Die Gewährung von „Kulanz“ ist bei Großschäden eher unüblich geworden.

Daher sind Versicherungsnehmer bei Großschäden erfahrungsgemäß gut beraten, möglichst von Anfang an ein professionelles Schadenmanagement mit fachkundiger Unterstützung einzurichten.