Sicherheitsvorschriften: Damoklesschwert für den Versicherungsschutz

Okt 23, 2018 (0) comment

Seit vielen Jahren spreche und veröffentliche ich regelmäßig zu diesem Thema, meist unter dem Begriff „Obliegenheiten“ oder „Obliegenheitsmanagement“.

Die Überschrift habe nicht ich mir erdacht, sondern sie ist die Überschrift eines Artikels, den Herr Rechtsanwalt Cäsar Czeremuga / Wilhelm Rechtsanwälte in der Ausgabe 9 der Versicherungspraxis (Zeitschrift des Gesamtverbandes der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V.) veröffentlicht hat.

An sich bietet dieser Artikel nicht viel Neues, sondern er enthält die Empfehlungen, die man logischerweise Versicherungsnehmern zu diesem Thema geben muss. Das Bemerkenswerte ist vielmehr, dass das Thema der Obliegenheiten und der Sicherheitsvorschriften bei den Versicherungsnehmern immer noch ein weitgehend Unbekanntes ist. Früher, das muss man freilich eingestehen, haben sich Versicherer nur in ganz seltenen Fällen auf Obliegenheitsverletzungen berufen. Dies lag auch daran, dass es dann (wenn nämlich grobe Fahrlässigkeit im Spiel war) für den Versicherungsnehmer gar nichts an Entschädigungen geflossen ist. Gerichte waren sehr zurückhaltend damit, eine solche grob fahrlässige Obliegenheitsverletzung anzunehmen.

Seit dem Fall „des Alles- oder Nichts-Prinzips“ im Jahr 2008, hat sich das Ganze etwas gewandelt. Zudem ist weiterhin ein Verfall der Versicherungsprämien in vielen Bereichen der gewerblichen und industriellen Sachversicherung zu beobachten. Darüber hinaus fehlt dem Versicherer in den letzten Jahren seine „zweite Prämie“, nämlich die Kapitalerträge. Viele Versicherer machen Prämien gar nicht mehr termingerecht geltend, weil sie damit negative Kapitalerträge erwirtschaften, also sozusagen Aufbewahrungsgebühren bei den Banken zahlen müssen.

Den Deckungsbeitrag verbessern kann ein Versicherer also nur, indem er entweder Kosten einspart (dies klappt effizient nur bei den Personalkosten), oder aber seine Ausgaben im Bereich der Schäden senkt. Oder am besten beides!

Ein erfreulicher Nebenaspekt für uns als Berater ist, dass das Schadenmanagement und Obliegenheitsmanagement sowie die Vertretung unserer Kunden in großen Schadenfällen ein zunehmendes Geschäftsgebiet darstellt. Der Kunde jedoch sei nochmals eindrücklich auf das Thema der Obliegenheiten hingewiesen. Die wichtigste Obliegenheit ist übrigens nach wie vor das Einhalten von Verpflichtungen aus Gesetz, Verordnung, oder auch aus Verwaltungsakten (wie z. B. Betriebsgenehmigungen).

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