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Auswirkungen der Corona-Pandemie: Versicherer reagieren mit Prämienerhöhungen

Die Preise in der Industrieversicherung sind im zweiten Quartal deutlich gestiegen. Bei einzelnen Versicherungsverträgen liegen die Prämienerhöhungswünsche zwischen 20 und 30 Prozent.

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie standen die Betriebsschließungsversicherung sowie die D&O-Versicherung im Fokus der Medienberichterstattung. Es ging zunächst um Schadenfälle in Millionenhöhe, mit denen die Versicherer schlagartig konfrontiert wurden. Lösungen sowie ein transparenter Umgang hiermit wurden nur sehr schleppend geliefert. Für besonderes Aufsehen sorgte dabei das Bayerische Modell, nach welchem die Versicherer zwischen 10 und 15 Prozent, der bei Betriebsschließungen jeweils vereinbarten Tagessätze, übernehmen. Hier wäre viel Potenzial vorhanden gewesen, durch eine lösungsorientierte Herangehensweise, das ohnehin bereits beschädigte Image der Versicherungsbranche aufzupolieren.

Die Auswirkungen auf die Versicherungsbranche und insbesondere auf die Preisgestaltungen in vielen Versicherungssparten sind erheblicher als bereits angenommen. Vor allem in den Preissteigerungen der D&O-Versicherung spiegeln sich Unsicherheiten über die Gesamtsituation und über mögliche Schadenersatzansprüche wider. Die Prämien in der sogenannten Managerhaftpflichtversicherung erhöhen sich in Deutschland im Schnitt um ca. 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Die Versicherer rechnen mit steigenden Insolvenzzahlen sowie höheren Schäden und verringern dadurch ihre Kapazitäten.

Der jahrelange Preiskampf unter den industriellen Sachversicherern scheint spätestens jetzt ein Ende genommen zu haben. In den letzten zwei Jahren deutete sich bereits ein Umdenken unter den Feuerversicherern an. Einige Versicherer verzeichnen seit über 10 Jahren kombinierte Schaden-Kosten-Quoten von über 100%. Der starke Wettbewerb am Versicherungsmarkt und die starke Vertriebsorientierung einzelner Gesellschaften förderten in der Vergangenheit die kundenfreundliche Preisausgestaltung.

Namhafte Versicherer wie die AXA, die Allianz oder der HDI setzten in den vergangenen Jahren erste Sanierungsmaßnahmen in der Feuerversicherung um. Da die Prämieneinnahmen aus Sicht der Versicherer immer noch nicht auskömmlich sind, ist mit erneuten Preissteigerungen zwischen 20 und 30 Prozent zu rechnen. Betroffen sind hiervon auch Unternehmen, die bisher keine Schadenfälle verursacht haben. Die Versicherer fordern Prämienerhöhungen pauschal über ihren gesamten Kundenbestand. Das individuelle Unternehmensrisiko rückt vermehrt in den Hintergrund der Betrachtung. Zudem reduzieren die Versicherungsgesellschaften immer weiter ihre Kapazitäten und beziehen sich dabei auf die Forderungen ihrer Rückversicherer. In manchen Betriebsarten sind mittlerweile 4 oder 5 Versicherer notwendig, um das Risiko zu 100 Prozent zu zeichnen.

Von diesen Veränderungen ist nicht nur der deutsche Versicherungsmarkt betroffen, sondern vielmehr handelt es sich um eine globale Umsetzungsmaßnahme in der Assekuranz. Neben steigenden Versicherungsprämien kommt für Industrieunternehmen erschwerend hinzu, dass das Auftragsvolumen infolge von Corona zurück ging und Umsätze sowie Gewinne eingebrochen sind.

Um diesen Veränderungen begegnen zu können, gewinnt die Expertise, die Qualität der Beratung und das Netzwerk des beratenden Dienstleisters noch mehr an Bedeutung.

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