Zeit der sogenannten Maklerkonsolidierer geht langsam zu Ende
Dies glaubt zumindest Herbert Fromme, also der Herausgeber der täglichen Informationen für die Industrieversicherung.
In den vergangenen Jahren haben diverse Makleraufkäufer Hunderte von Versicherungsmaklerunternehmen gekauft (und dies zu teilweise horrenden Preisen), was man als Konsolidierung bezeichnet. An der Spitze steht sicherlich Tobias Warweg, der die GGW-Gruppe formiert hat, die heute vom Umsatz her und der Mitarbeiteranzahl möglicherweise schon an Nummer Eins der größten deutschen Maklerunternehmen steht. Finanziert wurde dies alles mit Venture Capital von internationalen Kapitalgebern.
Das Problem ist, dass der Ausblick für Makler aufgrund des weicheren Marktes (in bestimmten Bereichen gehen die Prämien deutlich zurück, leider nicht im Bereich der Recycling- und Entsorgungswirtschaft) nicht mehr so rosig ist, wie das bei Kauf angenommen wurde. Denn die Provisionen und Courtagen hängen an der Prämienhöhe (ca. 15 bis 25 % der Nettoprämie ist die jährliche Courtage eines Gewerbe- oder Industrieversicherungsmaklers) und insofern führt jeder Prämienrückgang auch zu einem Rückgang der Provisionen. Wenn jetzt die Kapitalgeber aussteigen wollen (und dies natürlich mit einem erheblichen Gewinn, wie das in dieser Branche üblich ist), dann kann sich das Problem ergeben, dass es zu den Preisen, die man sich vorgestellt hat, keine Käufer gibt.
Denn die großen Industrieversicherungsmaklerkonzerne (Marsh, AON, Ecclesia Gruppe, Willis, Gallagher) haben aufgrund der oben beschriebenen Situation nicht mehr das Geld, die aufgerufenen Preise zu bezahlen. Deutlich erkennen konnte man dies schon an dem geplatzten Verkauf der Global-Gruppe, deren Eigener (auch Venture Capital Fonds) sich einen Verkaufserlös von ca. EUR 2,4 Milliarden vorgestellt hatten. Der Verkaufsprozess ist mangels Interesses von Käufern mittlerweile gestoppt.
Wenn man sich diese Zusammenhänge jetzt vor Augen führt, kann man dann nicht auf die Idee kommen, dass Makler grundsätzlich auch ein wirtschaftliches Interesse an möglichst hohen Prämien haben müssen? Und kann man dann nicht auf die Idee kommen, dass die Entscheidungen vom OLG Köln und OLG Dresden (Stichwort: Unabhängigkeit) doch nicht ganz so unbegründet sind? Denn dort hat man ja in den Urteilen festgestellt, dass ein Unternehmen, das von der Marktgegenseite, also den Versicherern bezahlt wird, grundsätzlich nicht ganz unabhängig ist. Den Interessenkonflikt zwischen bestmöglicher Beratung des Kunden (der will möglichst wenig Prämie für seinen Versicherungsschutz bezahlen) und wirtschaftlicher Situation des Maklers (viel Prämie bedeutet viel Courtage) haben wir ja bereits seit Anbeginn unserer Tätigkeit im Jahr 1999 thematisiert. Denn wir alle waren ja auch früher einmal bei Maklern beschäftigt.